Update: Kleiderschrank

Ich würde sagen, all die Arbeit, die ich da reingesteckt hab, hat sich voll ausgezahlt. Mittlerweile befass ich mich eher wenig mit meinem Stil.

Zusätzlich zu dem jahrelangen intensiven Ausprobieren, mit Stilsystemen Befassen und vielen vielen Outfitfotos und dem Austausch in der Color & Style Community hab ich auch die Dienste zweier Stylistinnen mit kreativen intuitiven fantasievollen Stilsystemen in Anspruch genommen, was ich absolut nicht bereut hab. Ich hab coole Ideen bekommen und meinen Stil noch weiter entwickeln können. Besonders die erste Konsultation war ein Augenöffner.

Allerdings halte ich mich nicht zu 100% an die Empfehlungen, auch wenn ich sehen kann, dass mir das wirklich objektiv am besten steht. Aber es muss eben auch mit dem eigenen Innenleben und Geschmack funktionieren, und das anzupassen ist ja absolut legitim. Ich setze das meiste um, aber halt… eher so in schwarz 😀 (Ich darf das, ich bin ein Deep Winter)

Quelle: pinterest.com

Ich bin mit meinen Sachen sehr zufrieden und obwohl der Stil selber definitiv nicht minimalistisch ist, hab ich nur recht wenige Kleidungsstücke. Was ich ja nicht versteh, ist warum diese ganzen Capsule Wardrobes und Project333-Kleiderschränke so langweilig und einheitlich einfärbig sind. Jajajajaja der INTP hat mich auch schon trocken drauf hingewiesen, dass bei mir alles schwarz ist. Aber ihr wisst was ich mein oder?? Ist ja ok, wenn viele Leute lieber schlichte Sachen anziehen, aber doch nicht alle. Naja, ich zeig euch wahrscheinlich meine tatsächlichen Sachen später mal. Außerdem hab ich schon auch Farben, ich hab zum Beispiel zwei weiße Blusen mit polkadots, Kleider mit roten Rosen drauf UND ich hab Lippenstifte und Nagellack in dunkelrot und plum! Die ich eigentlich auch trag, wenn nicht grad Corona ist und ich in der Hackn den ganzen Tag FFP2-Maske tragen muss.

30 Tage Digital Detox

Weil ich eigentlich in meiner Freizeit andere Dinge machen will, als stundenlang gelangweilt Youtube zu schauen, mir mit Nachrichten schlechte Laune zu machen und Zeit damit zu vergeuden, sinnlos im Netz herumzuklicken, war ich grantig genug für einen spontanen und wirklich langen Digital Detox.

Es war ja nicht nur die Zeit, die für Dinge draufgegangen ist, die ich eigentlich gar nicht machen wollte (im Vergleich zu anderen Dingen), ich hab auch gemerkt, dass mir der Fokus und die Konzentration abhanden kommt. Ich hab keine Romane gelesen, weil mir die Geduld gefehlt hat für alles, das länger als 2 Seiten ist und ich mich auch irgendwie nicht auf neue Dinge einlassen wollte. Mein Youtube-Konsum hat sich um die ewig gleichen Themen gekreist, und es hat mich sehr gelangweilt.
Im Gegensatz zu „How to break up with your phone“ von Catherine Price habe ich einen kalten Entzug geplant, weil ich aus Erfahrung weiß, dass der bei mir super funktioniert.

Zur Vorbereitung habe ich meine Social Media Accounts auf Null gesetzt. Ich habe alle Gruppen, Abos, Likes und Playlists, Newsletter rausgeschmissen (war sehr meditativ) und schließlich alles was ging deaktiviert oder sogar gelöscht. Ich habe auch Apps gelöscht und mit Leechblock und Stayfocusd diverse Webseiten geblockt. Dann hab ich Ausnahmen definiert (Öffi-Verbindungen nachschauen zB) und mein Vorhaben kommuniziert, damit sich die Leute auskennen. Dabei hab ich unverhofft eine Mitstreiterin gefunden. Ich hab mir auch überlegt, was nach dem Detox passieren könnte: zum Beispiel mein Handy mit einem neuen Google-Account neu aufzusetzen für den noch besseren Neustart und erst dann eine App wieder neu zu installieren oder ein Konto zu aktivieren oder einem Kanal zu folgen, sobald ich es wirklich will/brauche.

„Verboten“ war in den 30 Tagen alles, was mich gerade nervt, berieselt, ablenkt, Zeit raubt, eigentlich gar nicht interessiert, süchtig macht, durch die Kleinteiligkeit meine Aufmerksamkeitsspanne zerfleddert oder schlechte Laune macht. Konkret waren das Youtube, Instagram, Facebook, Twitter, Nachrichten und Zeitung, Zeitschriften und Onlineartikel, Blogs, Newsletter, Foren, PC-Spiele, Filme, Serien, Shoppingseiten, Podcasts am Handy. Außerdem war wieder brav Handyverbot im Schlafzimmer.

Als Disclaimer muss ich dazu sagen, dass ich einige dieser Dienste ohnehin kaum nutze (Facebook nur für Flohmärkte und zwei Farbtypengruppen für Lippenstifttipps, Twitter gar nicht). Serien schau ich sowieso nicht weil mich die nicht interessieren und eine große Cineastin bin ich auch nicht. PC-Spiele spiel ich sowieso immer nur phasenweise. Mein größter Zeitfresser waren Youtube und Nachrichten, letztere machen noch dazu schlechte Laune. Ich hab einfach darauf vertraut, dass die wirklich wichtigen Nachrichten ihren Weg zu mir finden werden (Spoiler: so war es auch) und ich auch nach dem Digital Detox alle Kanal-Namen wieder einfallen, die ich vermisst hab. Handyverbot im Schlafzimmer hab ich immer wieder gehabt und nur die letzten Monate schleifen lassen. Meine Schlafqualität hängt ganz stark davon ab, weil mich Bildschirme am Abend putzmunter machen. Mein ebookreader hat eine sanfte Hintergrundbeleuchtung, hat aber diesen Effekt nicht. Irgendwas ist drin in diesen Handies. Jedenfalls hab ich als Wecker sowieso ein altes Tastenhandy. Ich hab zwar auch mal einen richtigen Wecker probiert, aber der war extrem laut, man hat die Lautstärke nicht regulieren können, und hat geklungen wie ein LWK, der rückwärts über mein Bett fährt. Ich hab dieses widerwärte Scheißding dem ebenfalls widerwärtigen Amzn sowas von zurückgeschmissen. Jawoll.

Erlaubt waren alle wirklich nützlichen Dinge. Chatten, (Video-)telefonieren, Emails, Wege, Öffis, Adressen, Wetter, Ausflugsziele recherchieren, Bank, gezielt Rezepte und Anleitungen suchen, Kalender und schnelle Notizen unterwegs, Spotify. Meine Mitstreiterin hat sogar Chats stark eingeschränkt, das wollte ich in Coronazeiten bewusst nicht.

Wie es mir damit gegangen ist kommt nächste Woche.

Hast du auch schon mal den digitalen Mist stark zurückgefahren?

Gelesen im März

Candice Carty-Williams: Queenie
Eine 25jährige Londonerin mit karibischen Wurzeln, die mit ihrem komplizierten Liebesleben, ihrer familiären Vergangenheit und ziemlich viel Rassismus kämpft. Ich hab mit der Protagonistin mitgelitten, obwohl sie oft eine wirklich mühsame Person ist, aber man muss sie einfach gern haben. Vielschichtige Charaktäre, gute Geschichte. Ein paar plot twists waren ein bisschen zu konstruiert, waren aber sehr witzig. Ich hab den Eindruck gehabt, die Autorin hat das mit Augenzwinkern mit Absicht so gemacht. Schräges Gefühl war, wie sehr die Geschichte im Jetzt spielt und die Leute aber in Bars gehen und keine Pandemie ist.

Catherine Price: How to Break Up with Your Phone. The 30-Day Plan to Take Back Your Life
Im Rahmen meines 30 Tage Digital Detoxes gelesen (später mehr dazu). Ist ein sehr hilfreicher Ansatz, der mit Achtsamkeit und kleinen Experimenten arbeitet und angelehnt ist an ein erfolgreiches, aber weniger bekanntes Nikotinentzugsprogramm. Es gibt ganz ganz viele Tipps und kleine Alltagshacks, die viel bewirken. Bei mir funktioniert relativ kalter Entzug immer am Besten, daher hab ich derweil nicht soo viel mitnehmen können, aber dann für später (Alltagshacks). Es war auf alle Fälle motivierend zu lesen und obwohl ich mich schon recht gut auskenn mit dem Thema, hab ich doch noch ein paar Dinge gelernt. Heiße Empfehlung auf alle Fälle für Leute, die kalten Entzug nicht packen oder glauben zu packen.

Cassandra Clare: City of Bones (Hörbuch)
15jährige findet raus, dass sie die Tochter einer Dämonenjägerin ist und Schattenwesen sehen kann. Bester Freund ist heimlich in sie verliebt, aber der Bad Boy ist interessanter. Magische Gegenstände und gekidnappte Mütter müssen gesucht werden. Das Übliche. Erster Eindruck war: Huh, das ist erstaunlich schlecht geschrieben. Das hat mich allerdings nicht so gestört, weil es eine nette Unterhaltung für die Ubahn war. Der Erzählrhythmus ist flott und hält sich nicht mit lächerlichem Kleinscheiß auf (Innenleben, Logik, Glaubwürdigkeit, Konsistenz, Charaktertiefe und so). Wenn z.B. Menschen die ganzen Dämonen nicht sehen können, warum kann dann der Freund von der Protagonistin das auf einmal? Naja, ist halt ein Teenieschinken. Liest sich trotzdem ganz nett.

Rebecca Niazi-Shahabi: Mir steht alles offen ich find nur nicht die Tür. Endlich gelassen und gut entscheiden.
Hab ich gelesen, weil ich mir in manchen Bereichen Entscheidungen so schwer fallen. Richtige Entscheidungstipps gibts in dem Buch nur zwei, die sie jeweils auf einer halben Seite zusammenfasst. Der Rest dreht sich darum, wie die gesellschaftlichen Umstände einem das Entscheiden so schwer machen. The Paradox of Choice, neoliberale Denkmuster, Optimierungswahn, Übersättigung, Traumjobterror usw. Ich hab die beinharte, aber sehr unterhaltsame Gesellschaftskritik gar nicht erwartet. Das Buch war super und ich glaub, ich werds nochmal lesen müssen, um wirklich alles am Schirm zu haben.

Lana Lux: Kukolka
Die Geschichte eines Mädchens, das in der Ukraine der 90er Jahre im Heim aufwächst, abhaut und im Kleinkriminellenmilieu landet. Das Buch ist wirklich heftig, viel Gewalt, Zwangsprostitution, Morde, Misshandlungen, Lügen und Verrat, aber ich habs nicht aus der Hand legen können Es zieht einen rein und man kann nicht aufhören zu lesen. Lies das Buch, unbedingt!!

Was hast du so gelesen?

Update: Minimalismus

2019 oder so hab ich das 30 days minimalism game gespielt und bin bis Tag 17 gekommen (17 Silikonschnupse von In-Ears). Ich würd sagen, ich hab seit vielen Jahren mein Wohlfühlminimum erreicht und halte es gut. Ich miste halt auch gern aus.

Meine Wohnung ist deswegen aber nicht kahl. Besucher:innen sagen immer, sie ist luftig, aber gemütlich und „pinterestable“ („instagrammable“?). Ich habe sehr wenige Möbel, im Wohnzimmer steht an Aufbewahrungsmöbel zB nur ein schmales Bücherregal, das eigentlich ein Badregal ist und ca. 30 Bücher enthält und ein kleiner Schrank, wo 10 Aktenordner und zwei Schachteln mit dem ganzen Technikgekabel reinpasst. Mein Couchtisch hat zwei kleine Schubladen, in der einen ist mein ganzen Schreibzeug, in der anderen Taschentücher und Ladekabel.
Ich hab viel Holz und Pflanzen, aber wenig Deko. Den Stil würde ich als Wiener Biedermeier/Gründerzeit-ArtDeco-Industrial mit ein bisschen Japan und einem Hauch von Ikea bezeichnen, weil Ikea ist leider manchmal unvermeidbar. Die Farben sind allerdings recht ruhig, viel dunkles Holz, viele grüne Pflanzen, Schwarz und Weiß, ein bisschen Nachtblau, ein bisschen Dunkelrot, viele Messingakzente. Ich glaube, ich hab ganz früher mal so einen wirklich schlichten minimalistischen Einrichtungsstil haben wollen, aber ich hab gemerkt, dass man den nicht haben braucht, nur weil man wenig Zeug besitzt.

Ich schau immer noch gern Ausmistvideos und bedauere es, dass ich den Krempel den ich hab, leider wirklich brauch. Vielleicht zeig ich euch ja mal ein paar kleine Ausschnitte, vielleicht aber auch nicht. Der INTP zieht sukzessive bei mir ein, nach fast 12 Jahren Beziehung sind wir offenbar bereit für den nächsten Schritt. Nur ned hudln. Und mit ihm kommt glücklicherweise kaum Zeug, aber viele Kameras und noch mehr Objektive. Ich kenn mich ja nicht aus, aber manche Objektive schauen aus wie Häferln. Es gibt auch Häferln die schauen aus wie Objektive. Wenn ich nicht so ungern sinnlosen Scheiß kaufen würd, würd ich gern so ein Objektivhäferl kaufen, nur um seinen Gesichtsausdruck zu sehen, wenn ich vor seinen Augen da einen Tee eingieß.

Hallo Internet, ich bin wieder da

Ende 2015 hab ich drüben auf einfach Haferbrei zum Bloggen aufgehört, weil ich nicht mehr so viel vorm Bildschirm hocken wollte und Zeit für andere Hobbies haben wollte. Das ist jetzt 6 Jahre her, hui! Sonst hat sich nicht sooo viel getan eigentlich. Ich mag immer noch gern möglichst wenig Besitz haben und ganz viel Schwarz anziehen und der INTP mag immer noch Raumschiffe gern und Kaufentscheidungen ins Unerträgliche überanalysieren auch. Neu ist, dass ich einen Job hab, wie so Erwachsene. Oh und ich hab auch jetzt ein richtiges Bett, aus Holz und mit Beinen, wie so Erwachsene! (Obwohl ich nach wie vor lieber mit der Matratze am Boden schlafen würde.) Auf einmal hab ich aber wieder Lust aufs Bloggen bekommen und einen Weg gefunden, wie ich trotzdem nicht so viel vorm Bildschirm hocke (Papier und Stift für die Rohfassungen). Ja, also nur falls wer fragt. Ich bin jetzt wieder ein bissi da.